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Thesenanschlag Pfarrer Claus Clausen als Martin Luther hat mit dem katholischen Pfarrer Dr. Michael Kneib sieben Thesen zum freien Sonntag an die Kirchentür geschlagen.

Interview

„Ohne Ruhetag verlieren wir unseren menschlichen Lebensrhythmus“

In Bad Kreuznach hat die dortige Allianz für den freien Sonntag sieben Thesen gegen Verkaufsöffnungen am Ruhetag an die Tür der Heilig-Kreuz-Kirche geschlagen. Anlass dazu gaben Ladenöffnungen am sogenannten Mantelsonntag. Dr. Claus Clausen, Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Kreuznach, erläutert die Aktion im Interview.

Was sind die Kernaussagen ihrer Thesen zur Sonntagsöffnung?

Wir haben in sieben Thesen unsere Postion dargestellt. Erste These: Wahres Leben liegt nicht im Arbeiten, Kaufen und Verkaufen, sondern in Liebe, Glaube und Hoffnung. Zweite These: Arbeit ist kein Selbstzweck und letztes Ziel des Lebens. Als Gott Himmel und Erde erschaffen hat, ruhte er am siebten Tag. Die Krone der Schöpfung ist die Ruhe in der Gegenwart Gottes. Dritte These: Ohne Ruhetag verlieren wir unseren menschlichen Lebensrhythmus. Dabei geht es auch um die Zehn Gebote: „Du sollst den Ruhetag ehren“. Das bezieht ein, Familie, Fremdlinge, die ganze Schöpfung, sogar die Tiere. Vierte These: Der Sonntag ist der Tag des Gedenkens an die Auferstehung. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest.

Fünfte These: Das Grundgesetz sagt, dass der Sonntag ein Tag der Ruhe und der seelischen Erhebung ist. Sechste These: Wir begrüßen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Mai 2017. Da heißt es, Ladenöffnung am Sonntag ist nur gerechtfertigt, wenn ein hinreichender Sachgrund besteht. Umsatzinteressen des Handels und das das Shopping-Interesse der Kunden genügen nicht. Siebte These: Wir fordern unsere Oberbürgermeisterin und den Stadtrat auf, für das kommende Jahr keine weiteren verkaufsoffenen Sonntage zu genehmigen.

Was hat Sie zu der Aktion veranlasst?

Das fand alles am sogenannten Mantelsonntag statt, das ist in Bad Kreuznach ein Sonntag, der einmal eingerichtet wurde, damit die Menschen aus der Landwirtschaft nach der Ernte ihre Winterkleidung kaufen konnten. Wir sind der Auffassung, dass dies heute den Kriterien des Bundesverwaltungsgerichtes nicht standhält. Die Stadt ist zwar voll, das ist der Event-Charakter, aber wenige Leute gehen dann einkaufen. Die Thesen haben wir außerdem angeschlagen, weil in diesem Jahr der Mantelsonntag in unmittelbarer Nähe zum 500. Reformationsjubiläum fiel.

Wer unterstützt die Initiative?

Wir haben hier seit zwei Jahren eine Allianz für den freien Sonntag, die etwa zweimal im Jahr eine Aktion macht. Dazu gehören die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, die Katholische Arbeitnehmerbewegung und der Deutsche Gewerkschaftsbund. Aus ganz unterschiedlichen Motivationen heraus haben wir hier doch ein gemeinsames Ziel. Das ist eine interessante und spannende Allianz, in der wir vertrauensvoll zusammenarbeiten können.

Dass die Thesen vor einem christlich-theologischen Hintergrund geschrieben sind, ist dann für alle Beteiligten in der Allianz in Ordnung?

Ja, das ist gemeinsam abgestimmt. Einiges wurde dann noch verstärkt. Aber dass die christlich-theologischen Argumente vorkommen, tragen auch die nichtkirchlichen Vertreter mit.

Wie argumentieren Sie gegenüber Vertretern des Handels, die im verkaufsoffenen Sonntag vor allem eine Chance sehen?

Das kommt darauf an, mit wem man spricht. Es gibt auch Vertreter des Handels, die sagen, eigentlich steigert das unseren Umsatz unterm Strich nicht, und wir wissen schon, dass wir da unseren Mitarbeitenden einiges zumuten. Uns geht es darum, dass Menschen nicht genötigt werden, am Sonntag zu arbeiten – und um den besonderen Charakter des Tages. Den Sonntag zu schützen, kommt unserer Auffassung nach allen Menschen zugute. Das ist ein gesellschaftliches Gut. Wenn das verloren geht, dann sind letztlich alle die Verlierer.

Wie ist in Bad Kreuznach die Reaktion darauf?

Von der Stadt wird es sehr deutlich wahrgenommen. Auch die Resonanz in der Presse war gut. Es gibt jetzt im November ein Treffen zum Thema Sonntagsöffnung. Die Überschrift von Seiten der Stadt lautet aber eher: Wie können wir vor dem aktuellen Hintergrund noch verkaufsoffene Sonntage ausweisen, die den rechtlichen Anforderungen standhalten? Wir werden uns als Allianz an solchen Gesprächen nicht beteiligen, denn unser Interesse ist es, dass in Zukunft überhaupt keine verkaufsoffenen Sonntage mehr existieren.

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Das Interview führte Ralf Thomas Müller / Foto: Rita Schmitt / DGB-Rheinhessen / 08.11.2017



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