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Können wir mit Arbeit 4.0 wieder zu uns selber finden?

„Wir sollten darüber nachdenken, was wir Menschen Sinnvolles tun möchten, ohne mit einer Maschine zu konkurrieren“, betont Stefan Fritz. Der Aachener Unternehmer und Experte für faire digitale Plattformen fragt in seinem Beitrag mit Blick auf die Zukunftsaussichten nach dem Sinn von Arbeit und Leben und dem notwendigen gesellschaftlichen Wandel:

Stefan Fritz Stefan Fritz

Ist es wirklich die Digitalisierung, die unsere Arbeitswelt von morgen massiv verändern wird? Oder ist es unser ungezügelter Wahn, die Effizienz in immer mehr Bereichen Einzug halten zu lassen? Wird es in einer zunehmend digitalisierten Welt überhaupt noch genügend abhängige Lohnarbeit geben?

Der Sinn des (Arbeits-)Lebens

In den letzten 200 Jahren haben wir die abhängige Lohnarbeit zum „Normal-Zustand“ für unsere Gesellschaft entwickelt. Grundsätzlich ein Fortschritt gegenüber dem zuvor vorherrschenden Prinzip der Leibeigenschaft. Das Konzept „Abhängige Lohnarbeit“ ist fest verbunden mit dem Konzept des Menschen als Produktionsfaktor. Wir arbeiten, um zu leben – also um uns das eigene Leben zu ermöglichen.

Wenn Maschinen immer mehr Teile dieser Arbeit übernehmen werden, dann wird das Konzept der abhängigen Lohnarbeit nicht mehr gebraucht. Auch wenn das schon Marx befürchtet hat und dieser Zustand faktisch immer noch nicht eingetreten ist, so werden die nächsten Wellen der Digitalisierung einen massiven Druck auf die Lohnarbeit ausüben.

Unsere Antwort darauf sollte nicht die nächste Diskussion über den Mindestlohn sein, um uns Menschen dank niedriger Löhne nochmal ein paar Jahre einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Robotern zu ermöglichen.

Wir sollten darüber nachdenken, was wir Menschen Sinnvolles tun möchten, ohne mit einer Maschine zu konkurrieren. Wollen wir Krankenpflege oder Altenpflege überhaupt jemals einer Maschine übertragen? Wollen wir die Ausbildung unserer Kinder unter das Diktat der Effizienz stellen, was dann per innerer Logik darauf hinauslaufen wird, Lehrer nach und nach durch Maschinen zu ersetzen? Wollen wir die Kommunikation für einfache Anfragen wie Friseur- oder Restaurant-Reservierungen wirklich an Roboter auslagern, wie uns Google auf der letzten Entwicklerkonferenz gezeigt hat?

Gesellschaftlicher Wandel dringend benötigt

Wenn wir endlich Grundsätze aufstellen würden über Lebensbereiche, die wir nicht dem Zwang der (Maschinen-)Effizienz unterwerfen wollen, dann würden wir mindestens der Arbeit in diesem Rahmen einen neuen Sinn und Wert geben. Ob die Entlohnung über ein Entgelt oder das Prinzip des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) erfolgen würde, wäre für die neue Sinnstiftung der Arbeit als Beitrag für einen neuen Gesellschaftsentwurf eher untergeordnet zu diskutieren.

Und diejenigen von uns, die einen Beitrag zur Entwicklung der weiterhin effizienzbestimmten Welt leisten können, tun gut daran, den zukünftigen Job nicht einfach nur nach dem maximalen Gehalt auszuwählen (um ein wenig besser zu leben), sondern nach dem Nutzen, den ihre Tätigkeit der Gesellschaft bringt. Dieser für unsere Leistungsgesellschaft vollkommen unvorstellbare Wandel könnte ein BGE tatsächlich ermöglichen.

Einen solchen gesellschaftlichen Wandel werden wir aber nicht freiwillig einläuten, weil wir davon überzeugt sind, dass abhängige Lohnarbeit ein Auslaufmodell ist, sondern weil wir es müssen. Wir werden mit dem aktuellen Gesellschaftsvertrag der Besteuerung von Arbeit nicht mehr unsere Rente finanzieren können. Die massive Arbeitslosigkeit durch Digitalisierung wird uns zum Nachdenken zwingen – aber es kann sich lohnen, wenn wir die Weichen richtig stellen und uns auf einige erhebliche Veränderungen einlassen.

Autor Stefan Fritz ist Geschäftsführer des IT-Unternehmens Synaix und Senior Vice President des Cancom-Verbundes. Für den Aachener Unternehmer kann die Basis für den nachhaltigen Erfolg für Eigentümer in Zukunft nur eine innere Werteorientierung sein, die eine Balance zwischen Umwelt, fairen Geschäftsmodellen, Respekt vor Verschiedenheit, Einbindung von Spitzen-Teams und absoluter Nutzenfokussierung herstellt.

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Fotos: Rob Otter / pixelio.de, privat / 16.05.2018



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