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Vertrauen – Dreh- und Angelpunkt für die Unternehmenskultur

In den Turbulenzen wirtschaftlicher Krisen zeigt sich, wie „kostbar“ Vertrauen in allen Wirtschaftsbeziehungen ist. Ob Ein-Mann-Betrieb, Mittelstandsunternehmen oder Großkonzern – überall sind bei unternehmerischen Entscheidungen neben der Kenntnis „harter“ Fakten der Einsatz „weicher“ Tugenden unentbehrliche Voraussetzungen verantwortlichen Handelns.

Vertrauen ist der Generalschlüssel jeder Unternehmenskultur. Doch wie passen Vertrauen und Krisenmanagement zusammen? Ist es sinnvoll, frühestmöglich mit allen am Unternehmen Beteiligten über unausweichliche, vielleicht sogar einschneidende Veränderungen zu sprechen? Welche Informationen können wem, wann und in welcher Dosierung zugemutet werden, ohne dass Mitarbeiter in Panik geraten und Betriebsabläufe beeinträchtigt werden? Wieviel Transparenz kann ein Mensch in unternehmerischer Verantwortung riskieren, ohne andere zu überfordern?

Zu einer Kultur des Vertrauens gehört ein aktiver, offener Umgang mit Fehlern
Es wird u.a. davon abhängen, welcher Führungsstil eingespielt ist und welches Fehlermanagement praktiziert wird. Zu einem authentischen Führungsstil gehört ein offener Umgang mit der eigenen „Fehlbarkeit“ und mit der von Mitarbeitenden. Dies mindert nicht die Notwendigkeit zur Übernahme von Verantwortung.

So gibt es etwa im Bereich medizinischer Eingriffe einen extrem hohen Anspruch an Präzision mit einer Null-Toleranz für Fehlentscheidungen. Was macht es mit den Vertrauensbeziehungen, wenn doch etwas schiefgeht?

Welches Unternehmen könnte es sich leisten, „Stechuhren“ bzw. Zeiterfassung abzuschaffen und stattdessen Vertrauensarbeitszeit nicht nur für Führungskräfte, sondern für alle einzuführen?

Verantwortung teilen, Talente fördern
Vertrauen hat mit der Bereitschaft zu tun, Entscheidungen zu delegieren, Verantwortung zu teilen und damit auch Risiken einzugehen. Vertrauen ist gleichzeitig Ausdruck von Respekt vor den Fähigkeiten und Potenzialen von Mitarbeitenden. Nur durch Vertrauen lässt sich Kreativität und Leistungsbereitschaft wecken und dauerhaft erhalten.

EKD-Denkschrift fragt nach Faktoren der Betriebskultur, die sich nicht messen lassen
Hierarchisches Management mit einem unfehlbaren All-Entscheider an der Spitze, der eine Belegschaft zwanghaft kontrolliert, ist längst die Ausnahme. Davon geht zum Beispiel auch die Denkschrift „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“ aus, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) 2008 vorgelegt hat. Sie fragt dezidiert nach der Bedeutung der Faktoren in der Betriebskultur, die sich nicht in ökonomischen Kennzahlen messen lassen.

Wie kann der christliche Glaube die Vertrauenskultur in Unternehmen fördern?
Was kann christlicher Glaube dazu beitragen, dass Vertrauen im Unternehmen und in seinen Geschäftsbeziehungen entstehen und wachsen kann? Was hat protestantisches Freiheitsverständnis mit unternehmerischer Freiheit zu tun? Das Leitmotiv „Vertrauen“ durchzieht viele Kapitel dieser Denkschrift, die beispielhaft reflektiert, was auch evangelischer Sicht für den betrieblichen Alltag hilfreich ist.

Es geht um die Freiheitsgrade, die Menschen brauchen, um verantwortlich und selbstbestimmt die Zukunft für sich und die ihnen anvertrauten Menschen gestalten zu können. Es geht um unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten, um im Wettbewerb mit anderen Regionen der Welt bestehen zu können. Und es geht um Verantwortung, die aus wirtschaftlicher Macht erwächst.

Der Glaube gibt Freiheit zum Handeln in eigener Verantwortung
Nicht "Verdienst und Werke", wie Luther sagt, sondern die Anerkennung durch Gott verleiht uns Würde und gibt uns erst die Freiheit zum Handeln in eigener Verantwortung. Gerade die Glaubenserfahrung, dass nicht alles von unserer eigenen Leistung und unserer eigener Kraft abhängt, sondern dass das Leben ein Geschenk ist, kann entlastend sein auch für Hochleistungsträger. Sie müssen weder sich  noch andere verschleißen, sondern können achtsam mit ihren eigenen Begabungen und den Talenten der ihnen anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgehen.

So gelingt es am ehesten im Sinne Martin Luthers ein freier Herr oder eine freie Frau über alle Dinge zu bleiben und sich niemandem vollkommen ausliefern zu müssen – und zugleich sein Bestes für die Unternehmung und zum Wohl der anvertrauten Menschen zu geben, als verlässliche Dienst-Leistung an anderen und für andere. 

Evangelische Orientierung für Unternehmerinnen und Unternehmer:
Freiheit zur wirtschaftlichen Vernunft und Freiheit zu Veränderung mit Augenmaß

Freiheit zu wirtschaftlicher Vernunft und zur Achtsamkeit und Freiheit zu Veränderungen mit Augenmaß sind evangelische Orientierungen für engagierte Unternehmerinnen und Unternehmern. Im Dialog von Kirche und Wirtschaft muss freilich immer wieder neu nach den Bedingungen gefragt werden, wie Glaube und wirtschaftliche Entscheidungen  beieinander bleiben können. Das ist nicht einfach, weil in den Dynamiken der Weltwirtschaft immer wieder alte Sicherheiten verloren gehen und etwa zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern neue Konsense ausgehandelt werden müssen, die an die Stelle alter Selbstverständlichkeiten treten sollen.

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Peter Mörbel / 05.05.2017



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