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Mobbing: Psycho-Terror am Arbeitsplatz entgegentreten

Mobbing am Arbeitsplatz wird öffentlich von allen verurteilt. Aus Konflikten erwächst Psycho-Terror und Menschen werden an die Grenze des Erträglichen und darüber hinaus geführt. Dennoch fällt es den Mobbing-Opfern oft schwer, sich davor zu schützen und die nötige Hilfe zu bekommen. Die Methoden der Täter weisen eine schreckliche Vielfalt auf.

Wenn Peter K. den Raum betritt, verstummen die Gespräche. Bringt der Buchhalter bei Teamsitzungen Vorschläge für effizienteres Arbeiten ein, reagiert niemand darauf. Für seine Kolleginnen und Kollegen ist er eigentlich nicht existent. Darauf haben sie sich verständigt, denn sie wollen ihn loswerden.

Wie alles begonnen hat, kann sich das Mobbing-Opfer nicht erklären. Doch die anderen Mitglieder des Teams sehen in ihm einen Störfaktor, der den Betriebsalltag durcheinanderbringt. Vielleicht liegt eine Ursache darin, dass er als „der Neue“ in eine bereits festgefügte Gruppe kam.

Von Tätlichkeiten bis kleinlicher Kritik

Fälle wie diese sind keine Seltenheit. Laut einer Studie des Instituts TNS Emnid sagen 15 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland, sie selbst seien mindestens schon einmal Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz geworden. Mobbing durch Kollegen, Vorgesetzte und Arbeitgeber ist nicht neu, doch die Intensität mit der die Diskussion seit einigen Jahren geführt wird, lässt darauf schließen, dass es zugenommen hat. Treffen kann es jede und jeden.

Der Diplom-Pädagoge, Organisationsplaner und Coach Dieter Schlund hat gegenüber dem „Spiegel“ Mobbing wie folgt definiert: "Mobbing-Handlungen sind feindliche Angriffe gegen eine oder mehrere Personen, die systematisch und über einen längeren Zeitraum ausgeübt werden, mit dem Ziel, die Betroffenen zu demütigen oder auszugrenzen." Die Angreifer wollten ein auserwähltes Opfer „eliminieren“. Es verliere dabei mit zunehmenden Attacken immer mehr an Selbstwert und Stabilität.

Die Mittel dabei sind vielfältig. Einige erfüllen für sich allein schon einen Strafrechtsbestand. Dazu gehören Tätlichkeiten, sexuelle Belästigungen, Beleidigungen, üble Nachreden, Verleumdungen, Nötigungen und falsche Verdächtigungen. Andere wie soziale Isolation, fehlende Weitergabe von notwendigen Informationen, überzogene Kontrollen und kleinliche Kritik wirken in der Summe. Auch mit unberechtigten Kündigungen, innerbetrieblichen Versetzungen und Abmahnungen wird mit Mobbing auf formalem Wege versucht,  Opfern das Leben schwer zu machen oder sie ganz aus dem Betrieb zu drängen.

Betriebsvereinbarungen und ein gutes Betriebsklima

Eine Möglichkeit der Vorbeugung ist der Abschluss einer Betriebsvereinbarung zwischen Arbeitgebern und der Arbeitnehmervertretung. Darin wird dann definiert, was Mobbing ist, wie faires und partnerschaftliches Verhalten aussieht und was unerwünscht ist. Die Vereinbarung muss individuell für den Betrieb gestaltet werden, denn die Rahmenbedingungen können sehr unterschiedlich sein. Dabei sollte allen Beteiligten klar sein, dass Mobbing nicht nur die Betroffenen schädigt, es lastet auf dem ganzen Unternehmen oder der Dienststelle und führt zu schlechteren Arbeitsergebnissen.

Ein gutes Betriebsklima hilft ebenso, Mobbing entgegenzuwirken. Wenn der Umgangston rüde ist, Mitarbeitende den Leistungsanforderungen nicht gerecht werden können oder ständig um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, fördert dies häufig Aggressionen gegenüber den Kolleginnen und Kollegen - und damit Mobbing. Daher ist es wichtig, ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung zu unterstützen.

Einzelhilfe und gesetzlicher Schutz

Für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und andere sozialethische und seelsorgerliche Institutionen in den evangelischen Kirchen ist Mobbing seit Jahren ein festes Thema. Seminare, der Aufbau von Selbsthilfegruppen und Notruf-Telefonen helfen den Betroffenen des Psycho-Terrors. Zugleich muss aber die gesellschaftliche Dimension des Themas noch stärker ins öffentliche Bewusstsein kommen.

Mobbing wird individuell erlitten, hat aber viele Voraussetzungen, die sich aus Werten und Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft ergeben. Im Gegensatz zu skandinavischen Ländern und zum Beispiel Frankreich gibt es in Deutschland kein ausdrückliches Anti-Mobbing-Gesetz und auch die Europäische Union hat bisher keine einheitliche Richtlinie herausgegeben. Gesetzesregeln könnten Opfern helfen, sich besser wehren zu können, und Arbeitgeber zu einem stärkeren Schutz verpflichten.

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Ralf Thomas Müller / 19.05.2017



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