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Langzeitarbeitslosigkeit: Sozialer Arbeitsmarkt als Chance

Der Wirtschaft geht es gut in Deutschland. Die Zahl der beschäftigten Menschen steigt kontinuierlich an. Die Arbeitslosigkeit ist in NRW auf den niedrigsten Stand seit langem gesunken. Ein Umstand ist jedoch verstörend in dem scheinbar positiven Gesamteindruck. In NRW sind nach wie vor mehr etwa 300.000 Menschen langzeitarbeitslos.

Trotz guter Konjunkturlage profitieren also weitaus nicht alle Menschen von der positiven Situation am Arbeitsmarkt. Der aktuelle Sozialbericht NRW weist aus, dass 50,3 % der männlichen Erwerbslosen  und 43,3 % der weiblichen Erwerbslosen – im Hinblick auf alle Erwerbslosen – zu den Langzeiterwerbslosen zählen. Besonders schlecht ist die Arbeitsmarktsituation für die Geringqualifizierten. Zwar waren bei dieser Gruppe zwischen 2010 und 2014 die stärksten Rückgänge bei der Langzeitarbeitslosigkeit festzustellen. Doch das, was nach dem vorschnellen Eindruck positiv zu sein scheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als dessen Gegenteil: Bei den Geringqualifizierten hat der Anteil derer zugenommen, die sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben. Sie werden dann statistisch als nicht erwerbstätig erfasst und sind so für den Arbeitsmarkt ganz aus dem Blickfeld verschwunden.

Sozialer Arbeitsmarkt ist im politischen Raum mittlerweile akzeptiert
Eines ist im Moment beim Thema Langzeitarbeitslosigkeit fast durchgängig akzeptiert: Nahezu alle Akteure fordern einen Sozialen Arbeitsmarkt. Der scheidende Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Rüdiger Weise, forderte im März 2017 einen „staatlich subventionierten Arbeitsmarkt“. Es sei besser, Arbeit zu zahlen „statt Hartz IV und die Wohnkosten“ (Süddeutsche Zeitung, 25./26.Marz 2017). Auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung, ob sich überhaupt so viele öffentlich geförderte Arbeitsplätze schaffen lassen, sagt er: „Es ist ein großer Wurf, aber ich glaube schon, dass es genug Arbeit gibt, ... Wir sollten es einfach probieren“. Sein Nachfolger Detlef Scheele meint, es sei besser Menschen eine Arbeit zu finanzieren, statt sie zu alimentieren, „damit ihre Kinder sehen, dass die Eltern zur Arbeit gehen“. Scheeles Credo lautet:  „Es wird darauf ankommen, kein Talent verloren zu geben.“ (Süddeutsche Zeitung, 5.April 2017). Für einen Sozialen Arbeitsmarkt sprechen sich mittlerweile Politikerinnen und Politiker verschiedenster Couleur aus.

NRW will Vorreiterrolle für den Sozialen Arbeitsmarkt übernehmen
Nordrhein-Westfalen will zeigen, dass der Soziale Arbeitsmarkt das richtige arbeitsmarktpolitische Instrument ist. Im Landeshaushalt 2017 wurden erstmals 13 Millionen Euro bereitgestellt und weitere 30 Millionen werden für 2018 zugesichert. Damit sollen Modellprojekte entwickelt und ausgeführt werden, die ergänzend zu bestehenden Angeboten – wie öffentlich geförderter Beschäftigung – für langzeitarbeitslose Menschen Integrationsperspektiven und die Aussicht auf dauerhafte Beschäftigung schaffen.

Darüber hinaus sollen die Möglichkeiten des Bundesprogramms „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ genutzt werden. Das Programm fördert seit 2015 die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen mit gesundheitlichen Einschränkungen und aus Bedarfsgemeinschaften mit Kindern.   

Ministerpräsidentin Kraft äußerte im Interview der Osterausgabe des Handelsblatts zur Frage nach dem Umfang eines Sozialen Arbeitsmarktes in NRW, „dass 75.000 Langzeitarbeitslose so in Beschäftigung gebracht werden könnten“. NRW will eine Vorreiterrolle für den bundesweiten Aufbau eines Sozialen Arbeitsmarktes einnehmen.

Fazit:
Der seit langem von Kirchen und Diakonie geforderte soziale Arbeitsmarkt rückt näher.
Es sieht so aus, als ob eine seit langem besonders auch von Kirche und Diakonie diskutierte und geforderte Strategie, die Schaffung eines Sozialen Arbeitsmarktes, einen gewissen Durchbruch erzielen würde. Die Menschen wird es freuen. Politisch ist es der bessere Weg. Doch im Weiteren kommt es auf Umfang und die genaue Gestaltung an.
 

Verweise:

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Dr. Kordula Schlösser-Kost / 08.05.2017



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