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Ein Beitrag zur Lutherdekade: Die gesellschaftliche Aktualität der Reformation

epd-Dokumentation: "Paradoxie der Freiheit"

"Zur Relevanz von Luthers ökonomischer Kritik und Calvins Wirtschaftsmoral für das Verhältnis von Kirche, Staat und Wirtschaft" - Eine Einführung in die Dokumentation der gleichnamigen Tagung, die im März 2014 an der Akademie stattgefunden hat.

Die Tagungsidee für eine Auseinandersetzung mit der biblisch-theologisch begründeten Kritik Luthers und Calvins an wirtschaftlichen Fehlentwicklungen in der Reformationszeit speiste sich aus mehreren Quellen:

Wie diese Tagungsidee entstand
Zum Einen waren wir schon vor längererZeit auf ältere, aber gleichwohl hoch interessante Aufsätze des Wirtschaftsethikers Josef Wieland über Luthers Konzept des Ökonomischen, über Kirche als Ökonomischer Akteur und zur sozialethischen Option für die Armen gestoßen (Zeitschrift für Evangelische Ethik Jg. 1991.268ff und Jg. 1996 57ff und 137ff).

Zum Anderen gab es die Idee, in der Reformationsdekade zusammen mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Tagung zu entwickeln über die Fernwirkung reformatorischerWirtschaftsethik und deren Bedeutung für das heutige Ringen um ein nachhaltiges"Wirtschaften für das Leben".

Als Josef Wieland auf unsere Frage, ob er denn ein knappes Vierteljahrhundert nach seinen damaligen Impulsen den Faden noch einmal aufnehmen wolle, spontan zusagte, nahm das Projekt seinen Lauf. Den ursprünglichen Arbeitstitel "Luthers Ökonomische Irrtümer und der wirtschaftliche Erfolg der Reformation" haben wir zugunsten einer weniger steilen Überschrift modifiziert. Denn Luthers Irrtümer auf diesem Feld sind weitaus weniger gravierend als etwa seine Polemik gegen Juden und Türken. Seine kritischen Einlassungen waren auch aus wirtschaftsgeschichtlicher Sicht allemal respektable Versuche in einer Umbruchsepoche, die nichtweniger unübersichtlich war wie heute, theologisch wohl begründet und ethisch plausibel gegen Exzesse klare Position zu beziehen.

Über die Beiträge in dieser Dokumentation:

Prof. Dr. Josef Wieland:
Luthers Ökonomiekritik und ihre Ausläufer in der Wirtschaftsethik der Gegenwart

Den Haupttitel "Paradoxie der Freiheit" haben wir beibehalten. Er korrespondiert mit einer These des Ökonomen Wieland, dass es doch eines der wesentlichen Verdienste der Reformation ist, auch im Feld des Ökonomischen zu einem religiös begründeten ethisch verantwortlichen Umgang mit unauflösbaren Paradoxien zu ermutigen.

Prof. Dr. Andreas Pawlas:
Die Wirtschaft des Menschen zwischen Fluch und Segen.
Ökonomische Kritik bei Luther und Calvin

Andreas Pawlas wies in seinem gründlichen Vergleich der biblisch begründeten Wirtschaftskritik von Luther und Calvin nach, dass beide Reformatoren vielfach zu Unrecht gegeneinander in Stellung gebracht werden. Die Bewertung von Eigentum, das Berufsverständnis und die Geld- bzw. Zinskritik beider Reformatoren wurden mit vielen Originalzitaten anschaulich präsentiert und verlässlich belegt. Pawlas setzte sie von den späteren dogmatischen Lehren ab, die in den jeweiligen lutherischen oder calvinistischen Denkschulen in kontrovers theologischer Absicht entwickelt wurden.

Prof. Dr. Gerhard Wegner:
Aus Luthers Geist erwachsen: Der moderne Sozialstaat 

Der lutherische Strang der Reformation ist nicht berühmt für sozialrevolutionäre Aufbrüche. Dennoch wurzelt der moderne nordeuropäische Sozialstaat in Luthers beharrlicher Mahnung an die christlichen Obrigkeiten seiner Zeit, dafür Sorge zu tragen, dass Armut bekämpft und Bildung ermöglicht wird. Gerhard Wegner zeigte in seinem Beitrag minutiös auf, auf welchen – mitunter verschlungenen - Wegen der Sozialstaat und das Prinzip einer Sozialen Marktwirtschaft sich als Fernwirkungen der Reformation beschreiben lassen.

Dr. Martin Eberle:
Zur Durchschlagskraft kirchlicher Appelle in Wirtschaftsfragen.
Max Webers Analyse religiös-ethischer Einflussfaktoren auf wirtschaftliches Handeln

Max Weber, der unvermeidlicheVordenker, sollte auch bedacht werden, weniger jedoch mit der andernorts reichlich diskutierten Frage, ob denn der Geist des Kapitalismus im Protestantismus wurzelt oder nicht oder ob er vielleicht doch eher den katholischen Erfindern des Bankwesens in Norditalien zugeschrieben werden müsse. Darum fanden wir es spannender, anhand von Dr. Martin Eberles Forschungsergebnissen über Webers Einsichten zur mangelnden Durchschlagskraft wirtschaftsethischer Appelle zu diskutieren.

PD Dr. theol. Alexander Dietz:
"Homo oeconomicus - Menschenbilder in der Ökonomie als Herausforderung für evangelische Theologie

Ein vierter Fragenkreis zur Fernwirkung der reformatorischenWirtschaftsmoral war die vergleichende Erkundung der zugrundeliegenden Menschenbilder in Theologie und Ökonomie. Darum hatten wir Alexander Dietz gebeten, uns zu erläutern, warum Theologie und Ökonomie in der Auseinandersetzung über das Theoriemodell "homo oeconomicus" zwar häufig aneinander vorbei reden, aber dennoch die Chance haben, sich geradeüber das Bild vom Menschen auf Augenhöhe zu verständigen.

Vorwort zur Dokumentation von Studienleiter Landespfarrer Peter Mörbel

Bibliographische Angaben:

Die gesellschaftliche Aktualität der Reformation:
Paradoxie der Freiheit.
Zur Relevanz von Luthers ökonomischer Kritik und Calvins Wirtschaftsmoral für das Verhältnis von Kirche, Staat und Wirtschaft
Tagung der Evangelischen Akademie im Rheinland in Kooperation mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD, Bonn, 21. - 22.3.2014
epd-Dokumentation 21/2014 (27. Mai 2014)
Frankfurt a.M. 2014, 60 Seiten, geheftet 
5,40 Euro zzgl. 2,50 Euro Versandkostenpauschale
Bestellung über das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH (GEP)

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Peter Mörbel / „Kirche-Wirtschaft-Soziales“ - Evangelische Akademie im Rheinland / 07.05.2017



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