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Care-Arbeit – notwendig, aber wenig wertgeschätzt

Betreuung von Kindern oder alten Menschen, Pflege in der Familie oder im Krankenhaus, Erziehung, Familien- und Hausarbeit – diese und weitere, ähnliche Tätigkeiten werden unter dem Begriff der Care-Arbeit oder Sorgearbeit zusammengefasst.

Der englische Sammelbegriff „Care“ ist vieldeutig und mehr bedeutet als die persönliche „Fürsorge“ oder das ehrenamtliche oder professionelle „Kümmern“ um einen hilfebedürftigen Menschen. Zum „Care“-Bereich gehört unter anderem auch die Unterstützung von Familien mit kleinen Kindern oder die Versorgung von Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Care-Arbeit leistet eine Mutter ebenso wie eine Pflegefachkraft, beide sind mit ihrer Tätigkeit, mit ihrer Fürsorge für das jeweilige Gegenüber ausgerichtet.

Care-Arbeit rückt allmählich stärker in das Blickfeld der Sozialpolitik
Der Begriff der Care-Arbeit schließt bezahlte Arbeit  z.B. in Kindertagesstätten, Krankenhäusern oder Altersheimen ebenso wie eine unbezahlte Arbeit, z.B. das unentgeltliche Engagement im familiären Rahmen. Doch diese unbezahlte Sorge-Arbeit überwiegt dabei bei weitem und es sind vor allem Frauen, dies sich in dem Umfeld von Familie und Nachbarschaft engagieren. Obwohl eine Gesellschaft notwendig auf Sorgearbeit in den unterschiedlichen Lebenssituationen angewiesen ist und Care-Arbeit die Voraussetzungen für Erwerbsarbeit vielfach erst schafft, rückt dieser Bereich erst allmählich stärker in das Blickfeld der Sozialpolitik.

Beispiel: Assistenzdienste für alte Menschen
In unserem Land werden Menschen immer älter. Die meisten sind bei guter Gesundheit und viele haben ein gutes Auskommen. Sie können ziemlich lange selbstständig wohnen und ihre Dinge regeln. Erst im hohen Alter nimmt der Bedarf an Assistenz für den Alltag zu. Oder Gebrechlichkeit stellt sich ein, die den Verbleib in der eigenen Wohnung nicht mehr erlaubt. Für solche Fälle muss vorgesorgt werden. Es muss Menschen geben, die für die Begleitung, Betreuung und Pflege Älterer beruflich gut ausgebildet sind. Und es muss eine unterstützende Umgebung im Nahbereich vorhanden sein, etwa Pflege-Dienste und Versorgungseinrichtungen, die auf den Assistenzbedarf der älteren Personen ausgerichtet sind.

Ein Ziel von Care-Arbeit: Selbstbestimmung im Alter gewährleisten
Wer über eine gute Altersversorgung verfügt, kann sich viele Hilfsdienste „einkaufen“, sofern seine Kranken- oder Pflegeversicherung dafür nicht aufkommt. Allerdings werden künftig immer mehr ältere Menschen auf Pflege und Assistenz angewiesen sein, die aufgrund ihrer geringen Rentenansprüche aus eigener finanzieller Kraft keine auskömmliche Altersversorgung haben werden. Auch sie haben ein Recht in Würde alt zu werden.

Care-Arbeit für alte Menschen muss ein gut koordiniertes Zusammenspiel sein
Der Grundsatz, auch im Alter möglichst selbstständig und auch im Fall eingeschränkter Selbstständigkeit immer noch selbstbestimmt leben zu können, gilt gerade dann, wenn ältere Menschen unter körperlichen wie psychischen Beeinträchtigungen leiden, die bis hin zur Pflegebedürftigkeit führen können. Dies setzt voraus, dass familiäre oder ehrenamtliche Hilfestellungen und professionelle Unterstützungen in einem gut koordinierten[pm2] Zusammenspiel erfolgen – abgestimmt auf die jeweilige Problem- und Bedarfslage. Und dies heißt auch, dass Hilfen in der häuslichen Umgebung Vorrang vor der Versorgung in einer stationären Einrichtung haben.

Optimale Bedingungen für Care-Arbeit – eine Aufgabe von Politik und Zivilgesellschaft
Dafür Sorge zu tragen, ist nicht nur Aufgabe der Politik auf den unterschiedlichen staatlichen Ebenen. Angesprochen und gefordert ist die Zivilgesellschaft insgesamt. Die Verantwortung für ein selbstbestimmtes Leben auch und gerade im Alter lässt sich nicht abschütteln und auf eine immer höhere Ebene delegieren. Einbezogen werden müssen Bürgerinnen und Bürger, Familien, Nachbarschaften, Verbände, Vereine, Organisationen, die Träger der Wohlfahrtspflege, die Wirtschaft – und insbesondere die Kirchengemeinden.

In einer Gesellschaft des langen Lebens wachsen Ressourcen und Gestaltungspotenziale – auch in den Reihen der älteren Menschen. Viele ältere Menschen verfügen über erstaunliche Kraft, eine Fülle von Lebenserfahrung und beruflichen Kompetenzen und zeigen Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen und sich zu engagieren.

Ob und inwieweit es gelingt, diese Ziele zu realisieren, hängt von unterschiedlichen, miteinander verschränkten Faktoren und Rahmenbedingungen ab. Es kommt darauf an, wie und in welchem Umfeld die Menschen leben und wohnen, ob sie Hilfen durch Familienangehörige, Nachbarschaften oder soziale Netzwerke erhalten, welche sozialstaatlichen Versorgungsangebote zur Verfügung stehen und wie die Einkommens- und Vermögensverhältnisse aussehen.

Ein Konzept mit Zukunft: die „Caring Community“
Konzepte für eine „Caring Community“, in der nicht nur die Bedarfe älterer Menschen, sondern auch die Interessen von Familien mit Kindern mit hinzugedacht werden, sind im Werden. Unsere Diakonie ist mit ihrem Quartier-Ansatz dabei vorneweg. Was braucht Ihr Stadtteil? Welche Lösungen werden für Ihr Dorf gesucht? Wo gibt es Ideen und praktische Erfahrungen mit Initiativen?

Näheres dazu: Langes Leben. Weitsicht und beherztes Handeln (EKiR Papier 2016)

 

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Peter Mörbel / 05.05.2017



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