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Foto: Karl-Heinz Laube / pixelio.de Das Handwerk des Schmiedes gehört zu den klassischen weltlichen Berufen. Doch das Berufsverständnis schon zu Zeiten der Reformation war deutlich weiter gefasst.

Aktualität des reformatorischen Berufsverständnisses

Glauben und Vertrauen entscheidend bei allem Tun

„Beruf und Berufung - wie aktuell ist das reformatorische Berufsverständnis?“ ist der Titel eines im Auftrag des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD herausgegebenen Buches. „Keine Frage: Das Thema Berufung hat wieder Konjunktur“, so erklären die Herausgeber schon in der Einleitung. Doch woher kommt das?

"Beruf und Berufung"

Im Band „Beruf und Berufung“ wird unter anderem auf den Soziologen Dirk Kaesler verwiesen. Er sieht das große Interesse am Thema im Zusammenhang mit einer „allgemein herrschenden Unsicherheit bei der Berufswahl“. Auf der einen Seite eröffneten sich bei entsprechender Bildung viele Berufsmöglichkeiten, auf der anderen Seite seien deren Zukunftsträchtigkeit aber oft nur schwer abzuschätzen. Dabei sei durch den Wandel der Arbeitswelt die Berufsentscheidung heute nicht mehr zwingend eine Entscheidung für das ganze Leben.

Das Buch teilt sich in eine Sammlung von Beiträgen zu historischen Impulsen und zum Verständnis von Berufung heute. Im ersten Teil erläutert Hans Otte die Ursprünge bei Martin Luther. „Jede Arbeit, auch die einfachste, ist ein Beruf, wenn sie im Glauben, dem richtigen Gottesverhältnis, ausgeführt wird“, so der Göttinger Dozent für niedersächsische Kirchengeschichte über den Standpunkt des Reformators. In diesem Berufsverständnis sei Luthers zentrale Einsicht konkret geworden, dass jeder getaufte Christ schon Priester sei, also ein unmittelbares Gottesverhältnis habe. Der Glauben und das Vertrauen auf Gott sei das Entscheidende bei allem Tun.

Ein weit gefasster Begriff des Berufs

Eine reformierte Sicht zeigt der Theologe Martin Eberle am Verständnis von „Gabe und Aufgabe“ beim Genfer Reformator Johannes Calvin auf. Traugott Jähnichen, Dozent für Christliche Gesellschaftslehre, geht in seinem Beitrag der historischen Entwicklung des Begriffspaares vom 16. Jahrhundert bis zum Zeitalter der Massenproduktion und der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft nach. Aus soziologischer Sicht betrachtet Thomas Kurtz den Begriffswandel des Berufs.

Wie weit in diesem Band der Begriff des Berufes zu fassen ist, zeigen im zweiten Abschnitt Beiträge der katholischen Theologin Kathrin Speckenheuer, des evangelischen Theologen Gunther Schendel, der Soziologinnen Anika Füser und Antje Bednarek-Gilland, des Theologen und Erwachsenenbildners Jürgen Schönwitz sowie des Dozenten für Beratungswissenschaften Clinton Enoch und der Bildungswissenschaftlerin Steffi Robak. Beiträge behandeln die gemeinsame Berufung aller Getauften aus katholischer Sicht, das Engagement von Freiwilligen, Sinn und Sinnlosigkeit im Leben von Arbeitslosen, Berufung und Professionalität in der Erwachsenenbildung sowie berufsethische Bildung.

Gott und Spiritualität am eigenen Arbeitsplatz

Gunther Schendel eröffnet mit seinem Beitrag „»God at Work«“ - oder wie die »Workplace Spirituality« von Berufung spricht“ einen interessanten Einblick in eine Bewegung, die vor allem in den USA anzutreffen ist. Es geht um Menschen, die sich fragen, wie sie Gott oder Spiritualität allgemein an ihrem Arbeitsplatz einbringen können. In Deutschland kann der „Kongress christlicher Führungskräfte“ als Teil dieser Bewegung verstanden werden.

Das Berufsverständnis wird laut Schendel in aktuellen protestantischen Modellen geprägt durch die Wertschätzung der Arbeit, eine persönliche Identifizierung mit der Arbeit als Gottes Aufgabe und eine Berufsethik, die nicht nur nach dem persönlichen Vorteil bei einer Arbeit fragt. Daneben gibt es aber auch nicht-konfessionelle Konzepte, die die universale Suche nach Sinn in den Mittelpunkt stellen.

Eine spannende Ergänzung findet der Band durch Porträts von Männern und Frauen, die Anika Füser fotografiert und zum Thema Beruf befragt hat. Sie zeigen, was Menschen aktuell in der Arbeitswelt bewegt, zu was sie sich berufen fühlen. So wünscht sich die Architektin Annalena „jetzt gerade aktuell eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und der Friseurmeister Alexander sagt: „Meine Arbeit ist für mich mein Ein und Alles, mein Leben, weil es mein Herz und meine Seele erfüllt“.

Die Berufung als „arbeitendes Wesen“

In einem Vorwort schreibt der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gerhard Wegner: „Wer daran festhält, dass hinter jeder Arbeit eine Berufung steckt, der kann sich mit prekärer, fragmentierter Arbeit oder gar ausbeuterischen Arbeitsbedingungen nicht abfinden. Die Idee vom Beruf eines jeden und einer jeden wird (sozial)politisch.“

Im Fazit der Herausgeber heißt es dann: Menschen könnten wohl ihren Beruf verlieren, „aber nicht ihre Berufung als arbeitendes Wesen, das seine Energie, Kreativität und Fantasie einsetzt, um seine Lebenswelt zu gestalten“. Hier und an vielen anderen Stellen des Buches zeigt sich, dass das Thema mit Sicherheit seine Bedeutung über Reformationsfeiern hinaus behalten wird. Das Buch „Beruf und Berufung“ ist eine lohnende Lektüre für alle, die den reformatorischen Ursprüngen wie den weiteren Entwicklungen und der aktuellen Aufnahme der Begriffe nachgehen wollen. Die Unterschiedlichkeit der Autoren gewährleistet eine große Vielfältigkeit der Themen und Sichtweisen.

 

Beruf und Berufung
Wie aktuell ist das reformatorische Berufsverständnis?
Anika Füser, Gunther Schendel, Jürgen Schönwitz (Herausgeber)

Im Auftrag des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD
Evangelische Verlagsanstalt Leipzig
ISBN 978-3-374-04887-8
288 Seiten, Hardcover
Preis: 19 Euro

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Ralf Thomas Müller / 16.01.2018



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